Eine digitale Ausstellung · 2010–2019
Der Siegfried-Taler – eine Sage in zehn Ringen.
Hermann Rongstocks Nibelungenbilder in Gold und Silber. Ein Zyklus über Aufbruch, Liebe und die Macht eines verborgenen Schatzes.

01 / Der Ursprung
Eine Zeichnung.
Ein neuer Träger.
Wie lässt sich eine Geschichte festhalten, die seit Jahrhunderten immer wieder neu erzählt wird? Beim Siegfried-Taler begegnen sich zwei Formen des Bewahrens: die Zeichnung und die Prägung.
Hermann Rongstocks Interpretation des Nibelungenstoffs bildet den Ausgangspunkt. Zwischen 2010 und 2019 entstand daraus ein Zyklus mit zehn Jahresringen. Jede Ausgabe setzt einen eigenen erzählerischen Schwerpunkt; zusammen öffnen sie einen Weg durch eine vielgestaltige Bilderwelt.
Gold und Silber geben diesen Bildern eine körperliche Form. Die Linie trifft auf Relief, Licht und Oberfläche. Aus einem Motiv wird ein Gegenstand, der sich von verschiedenen Seiten betrachten lässt.

02 / Der Künstler
Hermann Rongstock.
Die Linie erzählt.
1941–2012 · Bayreuth
Hermann Rongstock war Maler, Grafiker, Illustrator und Zeichner. In seinen Nibelungenbildern begegnen uns Figuren in bewegten, sich überlagernden Linien. Ihre Konturen lassen Raum für die eigene Wahrnehmung.
Der Bayreuther Künstler erhielt 2006 den Kulturpreis seiner Heimatstadt. Sein Nibelungenzyklus führt in einen Stoff, der Literatur, bildende Kunst und Musik auf unterschiedliche Weise beschäftigt hat.
Die Prägungen bewahren den Charakter dieser Zeichnungen. Auch auf Metall bleibt die Linie der eigentliche Erzähler.
03 / Von der Zeichnung zur Prägung
Wie eine Linie
zur Oberfläche wird.
I
Das Motiv
Am Anfang steht Rongstocks Bild: Figuren und Gesten, die den Nibelungenstoff aus seiner Sicht erzählen.
II
Die Übertragung
Auf der runden Prägefläche müssen Konturen und Beziehungen lesbar bleiben. Die Komposition erhält einen neuen Rahmen.
III
Das Licht
Metall verändert die Wahrnehmung. Je nach Blickwinkel treten Linien, Relief und Spiegelungen anders hervor.
04 / Der Jahresring-Zyklus
Zehn Ringe.
Zehn Kapitel.
2010–2019. Wähle ein Jahr und entdecke sein Motiv.
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
2010 Siegfried der Reiter

Ein Aufbruch
Siegfried der Reiter
Siegfried erscheint als Reiter. Pferd und Figur setzen den Auftakt in Bewegung: Noch steht der Held am Anfang seiner Geschichte. Der erste Jahresring eröffnet den Zyklus mit einem Bild von Jugend und Aufbruch.
Die Linien von Pferd und Reiter greifen ineinander. Das Auge folgt der Zeichnung, während die spiegelnde Fläche den Blick immer wieder auf das Material zurückführt.
2011 Siegfried der Drachentöter

Im Augenblick des Kampfes
Siegfried der Drachentöter
Der Drachenkampf gehört zu den bekanntesten Bildern des Siegfried-Stoffs. Rongstocks Motiv hält die Begegnung von Held und Ungeheuer in einer dicht verschlungenen Szene fest.
Körper, Bewegung und Kontur müssen auf einer begrenzten Fläche lesbar bleiben. Gerade hier lässt sich verfolgen, wie eine bewegte Zeichnung in ein geprägtes Bild übersetzt wird.
2012 Hagen mit den Rheintöchtern

Zwischen Fluss und Geheimnis
Hagen mit den Rheintöchtern
Hagen und die Rheintöchter verbinden den Zyklus mit dem Rhein und dem Nibelungenhort. Das Motiv öffnet einen mythischen Bildraum, in dem Figuren, Wasser und verborgener Schatz aufeinandertreffen.
Die Szene gehört zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Nibelungenstoff. Sie ist keine Illustration eines einzigen, für alle Überlieferungen verbindlichen Handlungsablaufs.
2013 Kriemhild und Siegfried

Ein Moment der Nähe
Kriemhild und Siegfried
Kriemhild und Siegfried stehen im Mittelpunkt dieses Jahresrings. Nach Bewegung und Kampf richtet sich der Blick auf die Verbindung zweier Menschen – und auf eine Liebe, deren Geschichte von Konflikten überschattet wird.
Die farbige Linienzeichnung hebt die Figuren vom hellen Metall ab. Nähe wird zur zentralen Geste des Bildes.
2014 Walkürenritt bei Walhall

Ein anderer mythischer Raum
Walkürenritt bei Walhall
Mit den Walküren und Walhall tritt die Welt von Richard Wagners Ring des Nibelungen hervor. Das Motiv erweitert den Zyklus um einen Bildraum, der sich vom mittelalterlichen Nibelungenlied unterscheidet.
Die Bewegung der Reiterinnen prägt die Komposition. Linien bündeln sich, lösen sich und führen den Blick über die runde Fläche.
2015 Auf zur Jagd – Abschied von Kriemhild

Der Abschied
Auf zur Jagd – Abschied von Kriemhild
Eine Jagd beginnt mit einem Abschied. Wer die Geschichte kennt, sieht in der Begegnung von Kriemhild und Siegfried auch die Vorahnung des Verlusts. Der Jahresring hält diesen stillen Moment vor dem Geschehen fest.
Die Figuren rücken eng zusammen. Der erzählerische Schwerpunkt liegt auf ihrer Beziehung und auf einer Geste, die über den Augenblick hinausweist.
2016 König Gunther und Brunhild

Nähe und Macht
König Gunther und Brunhild
Gunther und Brunhild führen in die Welt höfischer Bindungen und Machtansprüche. Ihre Verbindung gehört zu den Konflikten, die das Schicksal der Figuren im Nibelungenlied bestimmen.
Der Jahresring verdichtet die Beziehung zu einem gemeinsamen Bild. Die Prägung lädt dazu ein, Haltung, Abstand und Blickrichtung der Figuren zu betrachten.
2017 Kriemhild mit Sohn Ortlieb

Ein Bild der Verbundenheit
Kriemhild mit Sohn Ortlieb
Kriemhild und ihr Sohn Ortlieb verschieben den Blick auf Familie und Fürsorge. Im Zusammenhang des Nibelungenlieds liegt über diesem Motiv zugleich das Wissen um die spätere Tragik.
Das Bild konzentriert sich auf die Nähe zwischen Mutter und Kind. In der Folge der Jahresringe bildet es einen ruhigen, eindringlichen Gegenpol zu Kampf und Herrschaft.
2018 Wachen am Nibelungenhort

Was verborgen bleibt
Wachen am Nibelungenhort
Der Hort wird selbst zum Mittelpunkt des Bildes. Bewachen, Verbergen und Begehren gehören zu seiner Geschichte. Der neunte Ring führt zurück zu der Frage, welche Macht ein Schatz über Menschen ausüben kann.
Die Figuren bilden eine dichte Komposition. Der Blick wandert zwischen ihren Konturen und der freien Metallfläche – zwischen erzähltem Geheimnis und sichtbarem Gegenstand.
2019 Siegfrieds Triumph

Das letzte Bild
Siegfrieds Triumph
Siegfrieds Triumph schließt den Zyklus ab. Der Held tritt noch einmal ins Zentrum. Als zehntes Motiv bündelt der Jahresring die Verbindung von Rongstocks Bildwelt und der besonderen Präsenz einer Prägung.
Grüne Linien setzen einen eigenen Akzent. Das Finale lädt dazu ein, zu den früheren Motiven zurückzukehren und den Zyklus als zusammengehöriges Werk zu betrachten.
05 / Material und Maßstab
Groß trifft klein.
Eine Zeichnung wirkt auf jeder Fläche anders. In einer großen Prägung lässt sich der Verlauf einzelner Linien verfolgen; bei einer kleineren Ausgabe rückt die Komposition als Ganzes in den Blick.
Die hier gezeigten Silber- und Goldausführungen von 2012 tragen dasselbe Motiv. Ihr Vergleich macht sichtbar, wie Material und Format die Wahrnehmung verändern.
Fotografische Gegenüberstellung, keine maßstabsgetreue Abbildung.


06 / Nah betrachtet
Die Prägungen als Kunstwerke.
Vorderseite, Rückseite, Perspektive. Öffne ein Bild für die Detailansicht.



07 / Orientierung im Nibelungenstoff
Die Geschichte hinter den Bildern.
Es gibt nicht die eine Nibelungengeschichte. Das mittelalterliche Nibelungenlied und Richard Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen verarbeiten verwandte Stoffe auf unterschiedliche Weise. Rongstocks Motive lassen diese verschiedenen Bildwelten anklingen.
Siegfried
Der Held. Aufbruch, Drachenkampf, Liebe und Tod prägen seine Geschichte in unterschiedlichen Überlieferungen.
Kriemhild
Siegfrieds Frau im Nibelungenlied. Ihre Liebe und ihre Trauer werden zum Ausgangspunkt eines folgenreichen Konflikts.
Hagen
Ein Gefolgsmann Gunthers. Im Nibelungenlied ist er mit Siegfrieds Tod und dem Versenken des Horts verbunden.
Gunther
Der burgundische König. Herrschaft, Bündnisse und seine Verbindung mit Brunhild bestimmen seine Rolle.
Brunhild
Im Nibelungenlied eine Königin. Die Brünnhilde in Wagners Ring ist eine Walküre – beide Gestalten sind zu unterscheiden.
Der Hort
Ein Schatz und ein Sinnbild für Macht. Sein Besitz und sein Verlust treiben die Konflikte des Nibelungenstoffs an.
08 / Der Rhein und der Hort
Ein Schatz.
Und was von ihm bleibt.
Im Nibelungenlied lässt Hagen den Hort im Rhein versenken. Der Schatz wird unsichtbar; seine Wirkung auf die Geschichte bleibt.
„Wachen am Nibelungenhort“ greift das Geheimnis des verborgenen Schatzes als Bild auf. Die Prägung zeigt, wie lebendig eine Erzählung bleiben kann, obwohl ihr zentraler Gegenstand dem Blick entzogen ist.

Siegfried-Taler · Hermann Rongstocks Nibelungenzyklus
Eine Geschichte,
die weiterlebt.
Zehn Jahresringe geben dem Nibelungenstoff eine besondere Form. Was bleibt, ist die Einladung, genau hinzusehen – auf die Linie, das Material und die Geschichten dazwischen.